400 Monde - Die Entstehung (Vorschau zum Buch)

"Es geht ja nicht darum, ein Bild hinzupinseln" (Erwin Eisch bei der Eröffnung der Ausstellung im Dezember 2009). Jedes Bild ist eine neue Herausforderung. Genauso verstehen wir die Arbeit unserer Galerie: Jede Ausstellung ist eine neue Herausforderung und ein Prozess, der lange vor der Eröffnung beginnt, während der Ausstellung fortschreitet und nach ihrem Ende noch lange nicht vorbei ist. Der Dialog, der dabei entsteht, und zwar zwischen Sammler, Künstler und Veranstalter, ist für uns Teil des Kunstwerkes, das wir nicht nur im einzelnen Bild oder Objekt sehen, sondern genauso in der Gesamtheit des Prozesses, in den sich der Sammler ebenso einbringt wie der Künstler und auch wir das tun.

Herausragende Erfahrungen waren in diesem Zusammenhang die Ausstellungen mit Juan Ferndo de Laiglesia. Die Beschreibung der Grundlagen seiner letzten Ausstellung im Sommer 2009 ist hier auf dieser Website im Original und in deutscher Übersetzung nachzulesen. Sie beschreibt den kreativen Akt, der zur Entstehung einer Werkfolge führt, ganz klar, einfach und verständlich. Daraus entstand die Idee, den Dialog, der sich dabei zwischen Künstler und Galerist (bzw. Galerie-Team) entwickelte, ebenso zu dokumentieren. Vor dem Druck der Gesamt-Dokumentation hier nun die erste Vorschau auf die noch im Entstehen befindliche Beschreibung - als Blick hinter die Kulissen einer Galerie und als Blick auf eine Facette der spannenden Arbeit am Kunstwerk. Über Kritk, Anmerkungen oder Anerkennung freuen wir uns.

Nun kurz zm Aufbau: Dem Bericht von Juan Fernando de Laiglesia wird die gleichzeitige Beschreibung des Galeristen gegenübergestellt. Die Texte von de Laiglesia sind dabei jeweils durch einen gelben Randbalken erkennbar, die Texte des Galeristen durch einen grauen Randbalken. Der hier vorgestellte Vorabdruck endet mit dem Tag vor der Ausstellungs-Eröffnung. Beschreibungen der Ausstellung und der anschliessenden Weiterführung der Idee werden folgen. Die Autoren: Juan Fernando de Laiglesia, Antonia Kienberger (Interviews, Übersetzungen, Foto), Wolf Erdel (Galerist). Wir wünschen dem geneigten Leser viel Vergnügen!

Hier gehts zum Vorabdruck >

Zur Vorbereitung der Ausstellung "400 Lunas emocionadas - 400 Monde ganz bewegt" Teil 4

11. Immer noch bringe ich Teile in die rechte Anordnung für das Teleskop. Als es fast schon fertiggestellt ist, lese ich mit Vergnügen, daß Galileo in handwerklicher Arbeit in Venedig ein Teleskop mit zwei Linsen nach dem holländischen System hergestellt hatte. Dabei merke ich nun auch, daß das internationale Jahr des Astronomie 2009 dieses Ereignis zur 400-Jahresfeier ehrt.

12. Ich bemühe mich, das Arbeitsgebiet der Ausstellung um das Thema der Eklipsen zu zentrieren, aber ich finde dabei noch keine Entsprechung bei dem Protagonisten, bis ich schliesslich die von Galileo angefertigten Mond-Zeichnungen entdecke. Ich entscheide mich dafür, den 45-Grad Spiegel auf den aufgehenden Mond zu richten - und gegen die Decke der Galerie. Ich konstruiere ein verstellbares Stativ für den Spiegel und ein anderes, um die Höhe der Monde einstellen zu können - das alles muss portabel sein, damit es leicht in Kisten nach Regensburg transportiert werden kann.

13. Ich entschloss mich, das Bild der weissen Polarkarte auf dem Holztisch weiterzuführen. Ich änderte die Tischplatte so ab, daß sich das kreisförmige Gemälde wie ein Bild aufhängen ließ. Ich arbeitete an der Stafflei, um die flache Karte in die Darstellung einer Kugelsphäre umzuwandeln, wie eine Kristallkugel, in der transparent die Karte zu sehen ist. Ich fügte Lichter hinzu, Reflektionen, führte braune und grünliche Farben mit ein .... Das Bild entfernt sich dadurch von dem, was ich suche und entwischt mir.

14. Zu Hause gibt es ein Fest und ein paar Freunde bringen einen großen süssen runden Kuchen mit. Am nächsten Tag ist der Kuchen verschwunden, und der Zucker überzieht sein rundes Tablett, ein untadeliger Vollmond - aus Karton! Sofort male ich auf dieses Backblech das Abbild eines Mondes, einen Satelliten, eine schwebende Kugel im Raum ... Am nächsten Morgen ging ich zum Brotladen, und Damian, der Mann, der täglich das Brot ins Haus bringt, versorgt mich mit einer Reihe von runden Tabletts.

 

Zur Entstehung der Ausstellung "400 Lunas emocionadas - 400 Monde ganz bewegt" - Teil 1

1. Ich erhielt ein Telefonat von der Galerie Dr. Erdel aus Regensburg, in dem Wolf mich zur Ausrichtung einer Ausstellung einlud. Wolf sagte mir, daß die Ausstellung im Juni während der spanischen Film- und Kulturwoche (des Forschungszentrums Spanien der Universität Regensburg, Anm. de. Übersetzers) stattfinden sollte.

2. In den folgenden Wochen entdeckte ich 3 Koinzidenzen: Daß 2009 das internationale Jahr der Astronomie (der UNESCO) war, daß Kepler in Regensburg begraben wurde, und daß sich unter meinen Büchern das Faksimile der "Einführung in die Astronomie" des galicischen Astronomen Ramon María Aller befand.

3. Für diese beiden Astronomen überlegte ich mir den Titel: "Ellipsen und Eklipsen" aber ich nahm an, daß es für diese angenehme Euphonie (oder Kakophonie) keine deutsche Entsprechung gibt. Gleichwohl, nun mußte ich einen anderen bewegenden Titel (Org.: Título-motor) finden. Es zeigte sich, daß Aller in allen seinen Forschungen das zweite Gesetz Keplers aus seinem Kapitel VII über die Newtonsche Gravitationslehre bestätigte.

4. Ich begann, mir tragbare und drehbare Lampen auszudenken, und recherchierte, ob die Steckdosen in Regensburg gleich sein würden wie in Spanien. Und ich formulierte die Titel: "Tragbare Eklipsen" und "Ausrollbare Schatten" da ich mich mit diesen Medien und Themen in der vorausgegangen Ausstellung n der Regensburger Galerie beschäftigt hatte, anlässlich der Erfahrungswelt des europäischen Kulturnomaden, und annahm, daß diese Diskussion noch in Erinnerung sein dürfte.

Ein Blick ins Atelier des Künstler bei der Vorbereitung des "Kepler-Zyklus" (Foto: Juan Fernando de Laiglesia)

Dr. Erdel Verlag Teleskop in Vigo

Die Ausstellung "400 lunas emocionadas - 400 Monde ganz bewegt" wandert weiter.

Vom 10. Juni bis 25. Juli 2010 sind das Dr. Erdel Verlag Teleskop und die Mondzyklen im Casa Galega da Cultura in Vigo zu sehen.


(Telescopio en AFINIDADES SELECTIVAS, Juni 2010. Bild: Juan Fernando de Laiglesia)

Ausstellung 400 Lunas verlängert bis 14. August!

Juan Fernando de Laiglesia mit dem symbolischen Teleskop in der Galerie am Fischmarkt

Am 29. Juli 2009 um 20:00 Uhr luden wir alle Interessenten zu einem Themenabend zur derzeitigen Ausstellung "400 lunas emocionadas - 400 Monde ganz gewegt" ein. Themen waren - nach einer Vorstellung des Malers anhand einer Kurz-Autobiographie - eine Lesung zur Entstehung der Ausstellung, die Erklärung des für die Ausstellung geschaffenen symbolischen Teleskopes, sowie Videodokumente über Juan Ferndo de Laiglesia. Das Echo - insbesondere seitens des romanistischen Instituts der Hochschule - war hervorragend. Wegen der interessierten Aufnahme der Ausstellung wird derzeit an einer Dokumentation zur Entsteheung der Ausstellung gearbeitet.

400 lunas emocionadas nun im Museo Ramón María Aller in Lalín

Drei herausragende Astronomen inspirierten Juan Fernando de Laiglesia zu seinen 400 lunas emocionadas: Galileo Galilei stand Pate für das Dr. Erdel Verlags-Teleskop. In Regensburg in der Stadt in der Johannes Kepler verstarb, war unsere Galerie der Ort, an dem die Ausstellung zum ersten Mal dem Publikum gezeigt wurde. Nach einer weiteren Station im Observatorium in Forcarey, Galicien, sind die Mondzyklen nun im Museum Ramón María Aller, dem dritten im Bunde, zu sehen. Weiter

Zur Entstehung der Ausstellung "400 Lunas emocionadas - 400 Monde ganz bewegt" - Teil 2

5. Ich recherchierte auf der Website der NASA die vorhergesagten Eklipsen für das Jahr 2009 und entdeckte 6, 4 für den Mond: 9. Februar, 7. Juli, 6. August, 31. Dezember, und 2 für die Sonne: 26. Januar, 22. Juli. Keine einzige fällt auf die Zeit der Ausstellung und keine würde sich exakt von Regensburg oder Galicien aus beobachten lassen. Die zwei (Eklipsen) im Monat Juli sind über dem Pazifik zu sehen. Ich las eine Arbeit über Kepler und kopierte seine Erkenntnisse über die Sonne: Er hält sie für die treibende Kraft, die Seele der Bewegung.

6. Als ich nochmals die mutigen Thesen von Kopernikus und jenes "Sie bewegt sich doch" von Galileo reflektierte, begriff ich die Formulierung der Eklipse als Zeichen der großen intellektuellen Rebellion gegen die platonische Vorstellung der Kreisbahnen und begann darüber nachzudenken, wie sich große Eklipsen an die Wand zeichnen lassen. Die Wand von Wolf´s Galerie zeigt übrigens nach Osten und das Keplerhaus liegt im Westen der Galerie.

7. Ich begann nach einer schweren Stahlkugel zu suchen und nach Durchschlagspapier, um auszuprobieren, ob eine auf dem Boden drehende Kugel durch das Durchschlagspapier aufgrund ihres Eigengewichtes Ellipsen oder zufällige Kurven zeichnen würde.

8.Ich fing an, ein Teleskop zu konstruieren, und probierte eine Reihe von Linsen und Farbfiltern für Fotokameras. Mit einem Rotfilter verfertigte ich eine Anzahl von Zeichnungen in blau, schwarz, gelb und rot um zu beweisen, daß die rote Farbe verschwindet, sobald man sie über einen Filter gleicher Farbe betrachtet.

Zur Vorbereitung der Ausstellung "400 Lunas emocionadas - 400 Monde ganz bewegt" Teil 5

15. Ich ging in Gedanken noch einmal die Schriften Keplers und das Vermächtnis des Pythagoras der "Musik der Sphären" durch, und dachte nach, warum jener für den Schritt von der Astrologie zur Astronomie steht. Auf einem großen Tisch im Atelier verteile ich all die weissen Scheiben und erforsche die Beziehungen, in denen die Scheiben zueinander stehen. Ich kaufte einige Plastikteller und begann, deren Schatten auf die anderen Kreisformen zu projezieren.

16. Ich begann mit einer Serie von Gemälden auf diese Kugelmodelle. Während der nächsten Tage schuf ich davon einen Zyklus in verschiedenen Farben, Materialien und Formaten. Ich zog Weltraumbilder zu Rate und ging die Mondkrater durch, dabei entdeckend, dass einer davon nach Ramon María Aller benannt ist.

17. Ich besorgte mir mehr runde Bleche von unterschiedlichem Durchmesser und das Atelier wurde zunehmend von einer Vielzahl von Planeten, Satelliten oder Monden bevölkert. Was die Planeten angeht, so interessierte ich mich da vorwiegend für die Monde. Noch an diesem Nachmittag las ich die das 4. Kapitel der religionsgeschichtlichen Abhandlung von Mircea Eliade: „Der Mond und die Mystik des Mondes“. Ich beschäftigte mich weiter mit Mondfotografien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und der Darstellung von Eklipsen: mich beschlich das Gefühl, das hatte ich alles schon als Kind gesehen. Ich fotokopierte eine Seite, die detailliert die Raketenstarts von Forschungssatelliten und ihre Umlaufbahnen zeigte.

Zur Entstehung der Ausstellung "400 Lunas emocionadas - 400 Monde ganz bewegt" - Teil 3

9. In meinem Lager fand ich einen 45-Grad Spiegel mit einer Vergrößerungsmöglichkeit. Ich entdeckte, daß man, wenn man in diesen Spiegel hineinblickte, die Zimmerdecke sehen konnte. Ich beschloss, an der Decke der Galerie ein Gemälde zu befestigen, es müßte allerdings sehr leicht sein.

10. Ich mache die Entdeckung, daß ich vor zwei Jahren angefangen habe, auf eine runde Tischplatte aus Holz mit 90 cm Durchmesser eine Landkarte zu zeichnen, die komplett weiss war. Eine feine Zeichnung aus Grau, Ocker und Weiss, bildete die zarten Umrisse der Flecken des Tisches ab. Es war wie ein Polarkreis mit Archipelen, Küsten und Halbinseln mit einer Landebahn in der Mitte; die Namen der Städte waren kleine Sätze, die ich aus der Zeitung ausgeschnitten hatte. Plötzlich erhielt diese alte Zeichnung einen neuen Sinn.

Zur Vorbereitung der Ausstellung "400 Lunas emocionadas - 400 Monde ganz bewegt" Teil 6

18. Ich mache mir große Sorgen, als ich feststellen mußte, daß die ekliptischen Umlaufbahnen von Kepler nicht auf der Liste zu finden waren, und daß die weisse Polarkarte, die ich in eine transparente Kugel verwandelt hatte, ein Mißerfolg war.

Daher studierte ich noch einmal das 2. Keplersche Gesetz über die Geschwindigkeit der Planenten auf ihren Bahnen und ich finde durch Zufall eine Illustration zu einem plastischen Entwurfsmodell des Keplerschen Sonnensystems. Mir wird die Ähnlichkeit bewußt, die zwischen meinem drehbaren Modell der weissen Scheiben und einer Glühbirne besteht. Ich begreife: Wenn das Licht ausserhalb der Umlaufbahnen bleibt, ist das System nicht komplett kopernikanisch, da in meinem Modell die Sonne zwar ruhig war, aber sich alles außerhalb des Zentrums bewegte: Man müsste es also „vorkopernikanisches Modell für eine Zeichnung von Kepler“ nennen... Mal sehen. Ich merke, daß eine Ähnlichkeit zwischen dieser Konstruktion und einer anderen besteht , die ich 1999 in der Picker Fellow Gallerie in Kingston, London ausstellte, und die aus einem Konvolut von Lupen und einer standardmäßigen Ellipse bestand, die den Titel „Maschine zum Zeichnen von Wolken“ trug.

19. Ich fahre mit meinen Versuchen mit der Rotlinse fort und entdecke, daß die rote und gelbe Farbe der spanischen und deutschen Nationalflaggen verschwinden und nur das Schwarz wahrnehmbar bleibt. Auf einem karierten Zeichenpapier zeichne ich in vielfacher Wiederholung die beiden Flaggen, in der Annahme, daß es einen Zustand geben könnte, in dem jeder Farbstreifen als ein Pixel erscheinen würde. Am Ende entdecke ich, daß die Rotlinse in Wirklichkeit eine Entpixellierungs-Linse ist, die nur die schwarzen Farbstreifen enthüllt, und, daß man mit diesen Streifen ein beliebiges Wort schreiben könnte. Ich könnte so eine "Spanischdeutsche Depixelierungs-Linse" hervorbringen.

20. Wolf bittet aus Regensburg per e-mail um den Ausstellungstitel und einen kurzen Beschreibungstext. Ich habe nur den Mondspiegel, der seiner Fertigstellung entgegengeht, das Teleskop, das noch keine sehr definierte Funktion besitzt und eine Sammlung runder mondähnlicher Gemälde, die als Mondabbildungen dienen könnten. Ich denke über einen Titel nach und formuliere ihn so: "Die Monde, ich gesehen habe und diejenigen, die ich sehen will". Ich bespreche den Titel mit einigen Freunden und finde keine große Begeisterung.


 

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Künstler im Artspace Erdel

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