Hasso von Henninges: 300 Farbfelder

9. September - 14. Oktober 2011

Wir eröffnen die neue Ausstellungssaison am 9. September 2011 mit dem Künstler Hasso von Henninges. Für die Ausstellung in unserer Galerie erstellte Hasso von Henninges 300 Farbfelder - so auch der Titel der Ausstellung. Hasso von Henninges war beim ersten Besuch in der Galerie von der langen Wand, die zur Donau hinführt, fasziniert und es reizte ihn, eigens dafür eine Farb-Flächen-Raum-Installation zu konzipieren. Die Wirkung dieses Experiments können Sie ab Freitag, den 9. September 2011 ab 20 Uhr erleben.


Hasso von Henninges in seinem Atelier 2011 (Foto: Erdel Verlag)

Wenn Sie auf das Foto klicken, hören Sie Hasso von Henninges über die Ausstellung und seine Farbwelten sprechen (Dauer: 3 Minuten).

Der Künstler wird zur Eröffnung am 9. September 2011 um 20 Uhr anwesend sein.

Dauer der Ausstellung: 9. September - 14. Oktober 2011
Reguläre Öffnungszeiten der Ausstellung 300 Farbfelder: Mittwochs und Freitags von 16-19 Uhr und gerne auch nach Vereinbarung.

Die Galerie nimmt am Regensburger Galerienabend am 24. September 2011 teil und ist von 18-24 Uhr geöffnet.

Hasso von Henninges

Wollte man den Künstler Hasso von Henninges einordnen, fiele er wohl in die Kategorie der konkreten Künstler. Hasso von Henninges Schaffen kreist zentral um Farben, Flächen und Raum. Doch würde man seinem Werk kaum gerecht werden, betrachtete man es ausschließlich aus dem Blickwinkel der streng durchkomponierten Gestaltung.

Alles nahm bei Hasso von Henninges seinen Anfang bei den klassischen Nicht-Farben Schwarz und Weiß. Dann kam das hochgradig mythisch besetzte Rot hinzu. Das Farbspektrum der Ausstellung 300 Farbfelder in der Galerie Dr. Erdel umfasst alle Erdfarben. Farbtheoretisch bilden diese Farben einen eignen, breit gefächerten Farbbereich, der sich vom lichten Ocker, über Orange, Rotbraun, Sepia, Grauviolett, Blauschwarz bis hin zu den erdgrünen und grauen Farben erstreckt.

Die Wärme dieser Farben bilden einen starken Kontrast zur absoluten Form des Quadrats. Natur und Landschaft sind präsent, stehen aber nicht im Vordergrund. Von Henninges interessiert sich für den Klang von Farben, der Interaktion der Farben untereinander und mit dem Raum.

Wie so oft, hat Hasso von Henninges die Werke eigens für die Ausstellung, für die speziellen Erfordernisse des Raums geschaffen. "Diese lange Wand der Galerie, war für mich schon eine Herausforderung, der ich mich gerne stellen wollte. Diese Aufgabe hat mich gereizt und fast ein Jahr begleitet."

Eröffnung der Ausstellung am 9. September 2011 in Anwesenheit des Künstlers.
Geöffnet bis 14. Oktober 2011, Mittwochs und Freitags, 16-19 Uhr.
Am Galerienabend am 24. September von 18-24 Uhr.

Hasso von Henninges "300 Farbfelder" - Gedanken zur Ausstellung

„300 Farbfelder“ - so der Titel der Ausstellung von Hasso von Henninges – ist eine Serie von Arbeiten, die sich dem Bereich der Konkreten Kunst zuordnen lassen.

Was ist das? Über die Ideen der konkreten Kunst könnte man lange diskutieren – hier nur ein paar Daten:

Die Gründungs-Aussagen der konkreten Kunst gehen auf das Jahr 1930 (damals wurde das Manifest der konkreten Kunst in der Zeitschrift Art concrete veröffentlicht) bzw. auf das Jahr 1948 (der Gründung der Movimento Arte Concreta in Mailand ) zurück.
Vorgänger der Bewegung sind Kadinsky, Mondrian, Malewitsch, wichtige Vertreter sind van Doesburg und im deutschen Raum Max Bill, in der konkreten Poesie ist der Name Ernst Jandl und – nicht weit von Regensburg in Rehau - der Name Eugen Gomringer weltbekannt.
Gemeinsam ist der Arbeit der konkreten Künstler der werkstoffnahe, dem verwendeten Medium verpflichtete Ansatz, in dem nämlich definitionsgemäß „ein bildnerisches Element nur sich selbst bedeutet, einfach und visuell kontrollierbar.“

Eine solche Kunst hat also nichts figuratives, abbildendes an sich, nichts narratives, d. h. man kann keine Geschichten aus diesen Werken herauslesen, sie sprechen vielmehr unsere Sinne an und unser ästhetisches Gefühl, ähnlich wie eine liedlose Musik, also eine Musik die nicht der Vertonung eines lyrischen Textes dient.

In der Malerei ist eine solche Kunst Farbe oder Form an sich genauso wie eine Sypmhonie Klang an sich ist.

Nun zur Ausstellung selbst: Hasso von Henninges spannt in den hier ausgestellten Arbeiten den Farbraum im ursprünglichsten Farbenspektrum auf, das wir aus der Kunstgeschichte der Frühzeit bereits kennen – nämlich im Bereich der Erdfarben.
In seinen Bildern entwickelt sich das Leben zwischen taghellem WEISS und nächtlichem Schwarz auf der Grundlage das im Boden schlummernden Reichtums der Erdfarben mit seiner weiten Skala zwischen den hellen Kreiden und den dunklen Kohleschichten. Und dazwischen aus all den braunen Ton-werten wie Ton, Kaolin, Löß, Sand und so vielen anderen Individualitäten mehr.
Manchmal entsteht in den Bildern auch das pflanzliche Grün oder die blaue Blütenfabe als romantischer Akkord. Ordnendes und rhythmisierendes Element dieser Installation bleiben dabei das Tagweiss und das Nachtschwarz – zwischen diesen beiden Polen kann das Leben sein Spiel beginnen.

Hasso von Henninges, der in Berlin Volkswirtschaft und Philosophie studierte und nach der Promotion zum Dr. der Philosophie der Universität Berlin mehrere Jahre als Sozialwissenschaftler arbeitete und heute in Nürnberg, Berlin und Lanzarote lebt, hat die Liebe zur Natur und den sie tragenden Boden wohl in seinen Genen vererbt bekommen.

Sein Großvater war Landstallmeister im Gestüt Trakehnen in Ostpreussen, bis zum 2. Weltkrieg das grösste und wichtigste Gestüt Deutschlands – zu einer Zeit immerhin, als die Mobilität von Wirtschaft und Militär noch weitgehend vom Pferd abhing, man muss sich so einen Menschen also vorstellen wie heute den Aufsichtsrat eines großen Automobilkonzerns.
Erinnern sie sich, daß zur Zeit des ersten Weltkrieges noch 30 % der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands nur für die Versorgung der Arbeits und Reitpferde genutzt wurde, dagegen sind die heutigen Rapsfelder eine vernachlässigbare Größe. Dort also hat der Künstler seine Wurzeln.

Ich denke, Hasso von Henninges hat die Achtung vor der Schöpfung und die Liebe zum Boden aus diesen Wurzeln geschöpft.

Wenn man seine Bilder ansieht, merkt man, mit wieviel Sorgfalt und Genauigkeit er dieses Erdmaterial behandelt und wie präzise und liebevoll er es zu veredeln weiss.

Präzision und Sorgfalt sind deshalb auch die Eindrücke, die sich beim Betrachten der Bilder einstellen. Und Erfahrung und Weitblick ermöglichen das Arbeiten in umfangreicher Serie.
So wie ein Züchter stets ein bestimmtes Ideal, einen Typus, bei seiner Arbeit vor Augen hat, so entstehen bei ihm doch lauter Individuen, die als zueienander gehörig erkannt werden, und von denen jedes seine unverwechselbaren Eigenheiten hat. Beim Pferd nennt man solche Eigenheiten übrigens Abzeichen.

Die Schönheit dieser Bilder entsteht durch die Freiheit der jedesmal einzigartigen Entfaltung – sie sind so zart und ausdrucksstark wie die einzelnen Takte und die einzelnen Töne einer Symphonie.

Das Gesamtkunstwerk der Installation hier in dieser Galerie ist so anrührend wie ein Konzert oder wie das Bild einer Herde schöner Tiere.

Ich würde mir wünschen, daß jedes dieser Stücke (die Bilder heissen übrigens in guter preussischer Tradition „lange Stücke“) dass jedes dieser Stücke also einen guten Platz bei einem von Ihnen, meine lieben Kunstliebhaber, findet – denn als Individuen müssen sie ihren eigenen Weg gehen und können nicht immer in der Herde bleiben. Ich freue mich aber auch, wenn die ganze Herde gemeinsam einen neuen Platz bekommt. (Ausschnitt aus der Ansprache zur Ausstellungseröffnung am 9.9. 2011)

Eröffnung "300 Farbfelder"


Blick auf die Rauminstallation "300 Farbfelder" (Fotos: A. Kienberger)

Stimmen zur Ausstellungseröffnung

"Am Anfang, muss ich zugeben, groß befremdend. Dann, bei näherem Hinsehen langsame Gewöhnung. Ich habe gemerkt, dass hier mit sehr feinen Strukturen gearbeitet wurde. Die einzelnen Farbsequenzen gefallen mir sehr gut."
(Elisabeth Aslan, freie Journalistin, München)

"Das Schwarze bildet immer eine Linie, das Weiße nur manchmal."
(Wolfgang Ruhl, freier Fotograf, Regensburg)

"Das Schwarze verlangt immer nach dem Weißen. In allen Bildern sind sie - mit bewussten Ausnahmen - aneinander angedockt."
(Hasso von Henninges, Künstler, Nürnberg)

"Für mich sind die Erdfarben das Leben und die Verbindung dieser ganzen Farbtöne miteinander und die Möglichkeit, sich aus jeder dieser Farbfelderkombination eine eigene Stimmung rauszuziehen."
(Bettina Callies, Galeristin, Regensburg)

"Der Künstler ist ein Grenzgänger der Konkreten Kunst. Schau dir nur eine dieser Flächen an, dann wirst du sehen, wieviel Handschrift, wieviel Gestik darin enthalten ist. Er will diese Strenge aus der Tradition der Konkreten Kunst heraus durchbrechen."
(Peter Dorn, Künstler, Regensburg)

"Ich erlebe ja immer das Werden der Kunstwerke mit und ich finde es schon toll, dass nicht die einzelnen Bilder, sondern die Gesamtinstallation hier bei dieser schwierigen Wand so gelungen ist. Das zweite was mich freut, ist, dass die Sinnlichkeit immer noch in der vorgeblich Konkreten Malerei zutage tritt. Es sind Bilder, die einen anziehen und hineinziehen."
(Renate Schmidt, Bundesministerin a.D., Nürnberg)

"Nicht zu vergessen die wunderbare Rede von Herrn Dr. Erdel."
(Wolfgang Bayer, Vorsitzender des Jazzfreunde Landshut e.V.)

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Künstler im Artspace Erdel

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