Große Ludwig Gebhard Retrospektive

Umfassende Werkschau im PAN kunstforum niederrhein

Noch bis zum 29. Februar 2016 ist im PAN kunstforum niederrhein die große Ludwig Gebhard Retrospektive zu sehen. Die Ausstellung umfasst 150 Exponate: Ölbilder, Handzeichnungen, Grafiken und Plastiken.

Und natürlich auch die mehrfarbigen Linoldrucke. Eine Technik, für die Ludwig Gebhard von allen Sammlern dieser Kunst weltweit geschätzt wird. Ludwig Gebhard führte diese Technik meisterhaft aus, bis zu zwölf Druckphasen entwickelte er mit Hilfe der verlorenen Form.

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Ludwig Gebhard - aus der Gedenkschrift zum 80. Geburtstag

Ludwig Gebhard


Ludwig Gebhard konnte man sich nicht entziehen. Seine geradlinige, zupackende Art, die Selbstverständlichkeit mit der er auf Perfektion bestand – zuerst in seiner eigenen Arbeit, aber auch bei seinen Partnern, seine mitreißende Vitalität und Lebensfreude, das alles machte den Umgang mit ihm intensiv und ertragreich. Seine klaren Aussagen führten dazu . dass man sich schnell verstand, was nicht bedeuten musste, immer einer Meinung zu sein. Aber für ihn gab es keine unklaren Entwürfe, kein Verweilen im Probieren: Was er sich nicht intellektuell und emotional zu eigen gemacht hatte, das zeigte er auch nicht, das war auch nicht sein Thema, weder in der künstlerischen Arbeit noch im Gespräch. Sein bevorzugtes künstlerisches Medium war der Linolschnitt, wo mit festem, hochpräzisem Schnitt das Werk vorbereitet und anschließend in exakter Technik ausgeführt wurde.

Ludwig Gebhard hatte mich im Mai 2005 angerufen, weil er herausgefunden hatte, daß er in Regensburg noch nicht durch eine Galerie vertreten war und das wollte er ändern. Im selben Monat trafen wir uns in der Galerie, Ludwig Gebhard und seine Frau Cora hatten eine Mappe seiner Arbeiten mitgebracht. Oberpfälzer wir beide, Schlichtheit, Klarheit und Werthaltigkeit schätzend, verstanden wir uns schnell und vereinbarten die Vorbereitung einer Ausstellung im selben Jahr. Die Vorbereitung war dann gründlich und umfangreich: Gegenseitige Besuche – zuerst in seinem Atelier in Landsberg am Lech, eine gemeinsame Fahrt zum Ludwig Gebhard Museum in Tiefenbach, der folgende Besuch in seinen Ausstellungsräumen beim Atelier zur Auswahl der Bilder für die Ausstellung, nachdem wir uns inzwischen auf ein Konzept geeinigt hatten. Alles wurde fotographisch und videographisch dokumentiert, diese Dokumente liegen inzwischen als ein Beitrag zur Erarbeitung eines Filmes über Ludwig Gebhards Leben in einem Studio in Landsberg.

In dieser Zeit durfte ich Arbeitsweise und Grundthemen seines Schaffens kennenlernen:
Ludwig Gebhard suchte seinen Ausdruck in der Diskussion mit den bestimmenden europäischen visuellen Ausdrucksformen – dem Surrealismus, Kubismus, Konstruktivismus. All das im Dialog und in der Auseinandersetzung mit Joan Miro, Fernand Léger, Paul Klee, und natürlich immer auch mit Pablo Picasso. Das war kein Nachahmen, aber durchaus eine Auseinandersetzung in dem respektvollen Bewusstsein, auf den Schultern von Riesen zu stehen. Daran war nichts konservatives, er erarbeitete sein Werk durchaus an der künstlerischen Front, aber eben nicht im Niemandsland.

Es war mir schon bei der ersten Ausstellung sehr wichtig, die beiden Pole seines Schaffens – konkrete Kunst und konstruktivistische Figuration – gegenüberzustellen. Die konkrete Kunst bot ihm die Möglichkeit zum experimentellen Umgang mit dem Malmaterial, hier steht die visuelle Erfahrung im Vordergrund und der Versuch die Welt der Bildempfindung zu erweitern.
Die Figuration andererseits, die sich bei Gebhard um das Menschenbild als kulturelles Zeitabbild zentriert, war nicht nur Gegengewicht zum Konkreten sondern echtes Anliegen zur Vermittlung seines Beitrags um die Diskussion der conditio humana.

Aus dieser selbstgewählten Mission zog er die Kraft für seine ungeheuere Produktivität. Der Frühaufsteher war meist bereits um 6:00 Uhr bei der Arbeit, und ein Tag der Zusammenarbeit oder Verhandlung mit ihm ließ erahnen, welche Kraft dieser Künstler aktivieren konnte.

Diese erste Ausstellung mit Ludwig Gebhard in meiner Galerie am Fischmarkt in Regensburg im Jahr 2005 hatte den Titel „Das wilde Tier: gezähmt“ ein Titel, der meinen Eindruck Gebhardscher Arbeit widerspiegelte - nämlich dynamische Schaffensfreude im Zaum höchster Präzision - und dessen Formulierung ich einem Text von Ludwig Wittgenstein entwendet hatte: „In aller großen Kunst ist ein wildes Tier: gezähmt“. Zur Eröffnung kamen mehrere Ludwig Gebhard Kenner, die im Abonnement schon seit vielen Jahren seine neuen Blätter bezogen und grosses Interesse an der Ausstellung zeigten, nicht ohne mir stolz zu versichern, daß ihre Sammlung weitaus mehr Stücke umfasse als meine Ausstellung. Meinen Eindruck, daß man an Ludwig Gebhard nicht vorbeikäme, teilten aber glücklicherweise auch einige Grafiksammler aus der Region, die erstmals Blätter von Ludwig Gebhard erwarben.

Bei der Ausstellungseröffnung sprach Dr. Pavel Liska, damals Leiter der renommierten ostdeutschen Galerie in Regensburg. Sein Vortrag betonte zwei Wesensmerkmale Gebhard´scher Arbeiten: Reduzierung und Ambivalenz.: „Der Ambivalenzbegriff ist bei Gebhard nicht nur auf die gestalterischen Elemente, also Fläche, Farbe und Raum anzuwenden, ... sondern auch auf die Formensprachen, die Formensysteme, die man beim Betrachten der Bilder entdecken kann. Mir geht es so, dass ich in den Bildern den Konstruktivismus entdecke, den Surrealismus entdecke, und natürlich den Kubismus. Immer wieder den Kubismus. Und es ist interessant, dass man das so sieht. Aber wenn Sie die Bilder genauer anschauen, werden Sie das System nicht als vollständiges System entdecken, sondern als Zitat oder Fragment, wiederum kombiniert mit anderen Stücken - wieder also ambivalent, wieder unbestimmt und mehrdeutig eingesetzt, so dass man eine Art konstruktiver Unsicherheit beim Betrachten der Bilder verspürt, mit der man bei aller Schönheit und Harmonie arbeiten muss. Es ist nicht einfach schön, es ist kompliziert schön. Und das ist, glaube ich sehr wichtig und etwas, das die Kunst eigentlich bringen soll.“ (Dr. Pavel Liska bei der Ausstellungseröffnung am 20. Oktober 2005)

Die Ausstellung wurde nachträglich in einem sehr ausführlichen Katalog dokumentiert, der von meinem Verlag herausgegeben wurde. Dem Katalog war war der Text der Eröffnungsrede von Dr. Liska vorangestellt, die einzelnen Blätter korrespondierten jeweils mit einem interpretierenden Text der Kunsthistorikerin M.A. Luise Finger. Eine traurige Episode ist mit der endgültigen Fertigstellung dieses Kataloges verbunden: Ludwig Gebhard signiert die ersten 50 Vorzugsexemplare, die mit einer Originalgrafik versehen waren, kurz vor seinem viel zu frühen Ableben, noch auf dem Krankenbett.

Ludwig Gebhard hinterließ ein umfangreiches Oevre aus Gemälden, Handzeichnungen, Grafiken, Skulpturen, sowie Schmuck und Textildesign. Die weiteste Verbreitung fanden allerdings seine Linoldrucke, ein Gebiet, in dem Ludwig Gebhard nach übereinstimmender Meinung weltweit einen Spitzenplatz einnimmt.

„Im Linolschnitt erreicht der Künstler eine unbedingte Exaktheit, einen unmittelbaren klaren Ausdruck der zum Charakteristikum seiner Qualität wird.“ schreibt Beate Noeke in einem Ausstellungskatalog, und Pavel Liska, schreibt über seine Linoldrucke: „ ….ist ebenfalls wichtig, dass Ludwig Gebhard mit Reduzierung umgeht, in einer Richtung, die ich hier Purismus nennen würde – also saubere Formen. Man reinigt die ursprünglichen Formen sozusagen und kommt so zu den endgültigen Formen, die so und so sein müssen und nichts anderes. Daher auch die Technik des Linolschnitts, wo die Eindeutigkeit des Schnitts wohl am besten festzumachen ist. Linole0um ist ein Material, das ganz genau das wiedergibt, was der Künstler einmal hineingeschnitten hat. Die Flächen bleiben sauber, die Trennung zwischen den Flächen bleibt sauber. Das, so nehme ich an, sind die Qualitäten, die den Künstler dazu bewegt haben, diese Technik zu wählen. „

Gebhard arbeitet dabei nach dem Verfahren der verlorenen Form, bei dem ausgehend von der ersten Platte, weitere Teile des Druckstockes beschnitten werden und mit der nächsten Farbe weitergedruckt wird. Ein einziger Fehler bei einer Druckstufe macht die gesamte Arbeit und alle vorausgegangenen Abdrucke wertlos. Darüber hinaus ist es diesem Verfahren auch unmöglich, den Druckprozess nochmals von vorne zu beginnen: Vom ersten Farbdruck bis zur Vollendung muß perfekt gearbeitet werden. Wenn man realisiert, dass Gebhard Blätter mit bis zu 11 Druckstufen verfertigte und darüber hinaus in diesen Druckstufen auch noch Farbverläufe unterbringen konnte, wird klar welche Präzision und welcher Aufwand jeweils zur Fertigung eines einzigen Blattes nötig war.

Ludwig Gebhard lag diese Vertiefung, ja Versenkung in die Arbeit wie wir sie in fernöstlichen Religionen kennen, wo der Künstler nichts, das Werk aber alles gilt. Auch er konnte sich in diese Rolle gut einfügen: Während er vielfältigste Kontakte zu Kunstwelt, Politik und Wissenschaft pflegte, stellte er – selbst von hochgewachsener und attraktiver Erscheinung - seine Person doch nie in den Vordergrund. Ihm ging es vielmehr um seine künstlerische Arbeit und um die Diskussion zum Stand des Faches.

Diese Diskussion aber lag ihm am Herzen und er wollte dazu auch einen essentiellen Beitrag leisten. Die Entwicklungen, die von bestimmenden Künstlerpersönlichkeiten seines Jahrhunderts geprägt wurden, diese Entwicklungen griff er auf und machte sie zum Teil seiner Formensprache.

Ich glaube, wir können heute davon ausgehen, dass sein Beitrag zur Entwicklung der Moderne ein bleibender sein wird.

(Wolf Erdel, Beitrag zur Gedenkschrift "Ein Leben für die Kunst", Hommage an Ludwig Gebhard zum 80. Geburtstag, Conradine Gebhard (Herausgeberin), 2013, Landsberg am Lech, 60 Seiten, viele Farbabbildungen. Das Buch kann zu 15 Euro über die Galerie Gebhard (www.galerie-gebhard.de) bezogen werden.

Dr. Pavel Liska: Einführung zur Ausstellung Ludwig Gebhard

Einführung von Dr. Pavel Liška zur Ausstellung

Ludwig Gebhard „Das wilde Tier: gezähmt“

im Ausstellungsraum des Dr. Erdel Verlags

20. Oktober – 18. November 2005-12-05

Die meisten der hier Anwesenden sind sicherlich sehr gut mit dem Werk von Ludwig Gebhard bekannt. Sie werden die Linolschnitte zunächst vor allem als schön empfinden, als harmonisch, als etwas, das man gerne anschaut, durch das Schönheit vermittelt wird. Auf den ersten Blick ist mir das auch so gegangen und auf den zweiten Blick habe ich gemerkt – die Schönheit ist nicht so einfach. Sie strengt an. Es ist keine klassische Schönheit, bei der man ein Bild symmetrisch aufbaut und den perspektivischen Raum wahrnimmt, wo die Farben lokal sind, wo man in eine bekannte Bilderwelt kommt, sondern es ist eine Schönheit, Harmonie, die auf Unregelmäßigem, auf Ungleichmäßigem, auf Unbestimmten basiert. Ich möchte dafür den in der modernen Kunst sehr wichtigen Begriff „Ambivalenz“ verwenden.

Ob es eine Linie, eine Fläche, ob es eine Raumdarstellung oder -definition ist, wir sind nicht ganz sicher wie das jeweilige Element eingesetzt wurde. Man kann es so oder so sehen. „Ambivalenz“ ist ein Begriff, der Mehrdeutigkeit bedeutet, der Uneindeutigkeit be­deutet. Ich glaube, dass der Begriff „Ambivalenz“ die Dinge beschreibt, die der Künstler eigentlich macht.

Der Ambivalenzbegriff ist bei Gebhard nicht nur auf die gestalterischen Elemente, also Fläche, Farbe und Raum anzuwenden, darauf werde ich später zurückkommen, sondern auch auf die Formensprachen, die Formensysteme, die man beim Betrachten der Bilder entdecken kann. Mir geht es so, dass ich in den Bildern den Konstruktivismus entdecke, den Surrealis­mus entdecke, und natürlich den Kubismus. Immer wieder den Kubismus. Und es ist interessant, dass man das so sieht. Aber wenn Sie die Bilder genauer anschauen, werden Sie das System nicht als vollständiges System entdecken, sondern als Zitat oder Fragment, wiederum kombiniert mit anderen Stücken - wieder also ambivalent, wieder unbestimmt und mehrdeutig eingesetzt, so dass man eine Art konstruktiver Unsicherheit beim Betrachten der Bilder verspürt, mit der man bei aller Schönheit und Harmonie arbeiten muss. Es ist nicht einfach schön, es ist kompliziert schön. Und das ist, glaube ich sehr wichtig und etwas, das die Kunst eigentlich bringen soll.

Dabei ist ebenfalls wichtig, dass Ludwig Gebhard mit Reduzierung umgeht, in einer Rich­tung, die ich hier Purismus nennen würde – also saubere Formen. Man reinigt die ursprüng­lichen Formen sozusagen und kommt so zu den endgültigen Formen, die so und so sein müssen und nichts anderes. Daher auch die Technik des Linolschnitts, wo die Eindeutigkeit des Schnitts wohl am besten festzumachen ist. Linoleum ist ein Material, das ganz genau das wiedergibt, was der Künstler einmal hineingeschnitten hat. Die Flächen bleiben sauber, die Trennung zwischen den Flächen bleibt sauber. Das, so nehme ich an, sind die Qualitäten, die den Künsteler dazu bewegt haben, diese Technik zu wählen.

Wenn man über die Mehrdeutigkeit des Stilistischen bei Ludwig Gebhard spricht, fallen einem bestimmte Namen ein wie Joan Miró, Fernand Léger oder Paul Klee, die immer wieder durch die Bilder assoziative Signale geben. Vor allem ist hier natürlich an Pablo Picasso zu denken, auf den man sich nicht nur in der spätmodernen sondern auch in der postmodernen Zeit durchaus berufen kann.

Deshalb würde ich hier gerne einen Exkurs machen, über das was Picasso und Braque in ihrem analytischen Kubismus gemacht haben, um anzudeuten, welchen Stellenwert er bis heute hat.

Eines der Probleme der Ambivalenz, die Picasso und Braque sich gestellt haben, war den Widerspruch, die Dichotonie zwischen Konkretem, zwischen Realem, Figurativem und Abstraktem zu lösen. Wir wissen, dass Picasso nie in die reine Abstraktion wollte. Mondrian warf ihm vor, dass er hier den letzten Schritt nicht gemacht hat. Picasso und Braque wollten diesen Schritt nicht machen weil er in ihren Augen eine Sackgasse war. Sie haben versucht, zwischen Realität und Bild zu vermitteln, haben nach verschiedenen Lösungen gesucht und schließlich die Collage erfunden, nämlich die Möglichkeit, einen Gegenstand, also ein drei­dimensionales Objekt in das Bild so zu integrieren, dass es ein Bestandteil der zwei­dimensionalen Fläche wird, dass man also etwas Konkretes (was in den Augen der Abstrakten ein Verbrechen ist) in das abstrakte, gestalterische Bild integriert so dass es konkret bleibt, aber gleichzeitig die Qualität des Bildes annimmt. Die Collage ist nämlich sozusagen die Versöhnung zwischen der realen und der abstrakten Welt, wo sich beide in einer neuen Welt vereinigen. Das ist es eigentlich, was den beiden Puristen gelungen ist und zwei Jahre später für Marcel Duchamp den Weg zu Readymade geöffnet hat, wo man den Gegenstand ohne das Bild selbst schon als gestalterisches Element präsentiert. Ich möchte das betonen, weil wir wissen, was das Readymade von Duchamp für die heutige Kunst bedeutet. Es haben sich hier Möglichkeiten eröffnet, die bis heute jeder zweite Künstler benutzt. Ich erwähne das, weil es bei Picasso eigentlich schon während der Moderne passiert, wo er Elemente der Postmoderne entwickelt und entdeckt hat, nämlich die totale Ambivalenz und Wechselhaftigkeit zwischen realem Gegenstand und gemaltem, gezeichnetem, Bild.

Ich komme zu der Ambivalenz in den Bildern von Ludwig Gebhard zurück. Die Linie erfüllt, genauso wie bei Picasso, mehrere Aufgaben: Sie kann Volumen eingrenzen, sie kann eine Fläche eingrenzen, sie kann als Passage wirken. Von Cézanne kennen wir die Wirkung, die Qualität der Linie, die sozusagen in die Tiefe des Bildes hineingeht. Das ist genau das, wo die Linie ihren linearen Charakter verliert und sich raumbildend betätigt. Sie kann als Schattierung auftreten oder einen antiperspektivischen Raum markieren. Die Fläche kann als Raumgrenze oder als Raumillusion und auch als Leere erscheinen, wo sich dann eine Konstruktion aus Linien vor der Leere oder in der Leere präsentiert. Ähnlich kann die Farbe als Fläche oder raumbestimmende Konstruktion auftreten. Dabei ist wichtig, dass Ludwig Gebhard nicht darstellt. Ich habe viele Texte gelesen, in denen man über die Darstellung und die Empfindung der Wirklichkeit spricht und den Künstler dann sozusagen dabei erwischt, wie er das verarbeitet. Ich glaube nicht, dass Gebhard das macht. Ich glaube, Ludwig Gebhard konstruiert. Er konstruiert aus dem, was er kennt, was er schon gestaltet gesehen hat. Deswegen gibt es so viele Stilzitate. Man findet Linien, die kubistisch wirken. Man findet futuristische Simultanität, das heißt, das Festhalten mehrerer Phasen eines Gegenstandes wie wir das im Futurismus gesehen haben. Man findet konstruktivistische Tektonik, das heißt Aufbau durch konstruktivistische Elemente durch die Geometrie oder surrealistische Illusion. Das sind alles Prinzipien und Strategien, die schon gestalterisch verwendet worden sind und die Gebhard hier nochmals verwendet, die nicht aus der Wirklichkeit abgeleitet sind, sondern aufgrund der Erfahrung der anderen Künstler gesehen wurden und hier perfekt und auf eine schöpferische Weise angewendet werden. In diesem Sinne ist Ludwig Gebhard kein moderner Künstler, sondern ein postmoderner, der es sich erlaubt, Zitate zusammenzumontieren und in eine neue Einheit einzubeziehen, das heißt zu dekonstruieren, einzelne Elemente von der Bedeutung zu befreien und in ein neues System zu integrieren, das ein neue Bildwelt erschafft.

Einführung zur Ausstellung in der Galerie am Fischmarkt. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Autors

Werke in öffentlichen Sammlungen

Ludwig Gebhard trennte sich zu Lebzeiten selten von Handzeichnungen oder Gemälden. Gehandelt wurde vor allem das graphische Werk, das wegen seiner künstlerischen und technischen Qualität eine herausragende Stellung in der Wahrnehmung seines Oevres einnahm. In bedeutenden Sammlungen befinden sich jedoch neben Radierungen und Linolschnitten auch Handzeichnungen und Ölgemälde. Hier ein Auszug aus der Reihe öffentlicher Sammlungen, in denen Arbeiten von Ludwig Gebhard zu finden sind.

Augsburg - Städtische Kunstsammlungen; Studiensammlung der Diözese Augsburg
Bad Steben - Grafikmuseum Stiftung Schreiner
Bamberg - Kunstverein Bamberg
Basel - Kunsthalle-Kupferstichkabinett
Bayreuth - Plakat Museum Bayreuth
Berlin - Kunstbibliothek der staatlichen Museen zu Berlin; Kupferstichkabinett der staatlichen Museen zu Berlin; Ostdeutscher Sparkassenverband, Berlin
Beratzhausen - Kuratorium Europäische Kulturarbeit e.V.
Cham - Sammlung des Landkreises Cham
Dresden - Kupferstichkabinett
Hamburg - John Neumeier Stiftung
Hünfeld - Stiftung Modern Art Museum, Sammlung Jürgen Blum
Köln - Kunst - und Museumsbibliothek
Leipzig - Museum für Druckkunst Leipzig
Mainz - Gutenberg-Museum Mainz
Marbach - Deutsches Literaturarchiv im Schiller-Nationalmuseum
Mindelheim - Textilmuseum / Sandtner Stiftung
München - Staatliche Graphische Sammlung; Städtische Galerie Lenbachhaus; Pinakothek der Moderne; Landbauamt; Bayerische Krebsgesellschaft e.V.; Bayerische Staatsbibliothek, München; Grafische Sammlung des Instituts für Kunstgeschichte der LMU, München
Neuchatel - Musee d’Art de Neuchatel
Neu-Ulm - Edwin Scharff – Museum
Nürnberg - Grafische Sammlung der Museen der Stadt Nürnberg
Ochsenhausen - Klostermuseum Ochsenhausen
Offenbach - Schuhmuseum Offenbach; Internationale Senefelder Stiftung
Provo - Brigham Young Universität
Regensburg - Landbauamt; Kunstsammlung des Bistums Regensburg
Rehau - Sammlung Gomringer
Riegel a.Kaiserstuhl - Messmer Foundation
Rio de Janeiro - Museum de Arte Moderna
Salzburg - Kulturamt der Stadt Salzburg
Schwandorf - „Sammlung Bezirk Oberpfalz“ im Oberpfälzer Künstlerhaus, Schwandorf
Stuttgart - Staatsgalerie – Graphische Sammlung
Tel Aviv - The Tel Aviv Museum
Weiden - Städtische Sammlungen
Weimar - Druckgrafisches Museum Weimar
Wien - Albertina – Graphische Sammlung
Wolnzach - Museum Kulturgeschichte der Hand
Worms - Städtisches Museum
Würzburg - Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg; Graphische Sammlung
Zürich - Haus Konstruktiv

(Quelle: Conradine Gebhard)

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