Ars Electronica wird 40

2019 wird Ars Electronica 40 und startet eine ganze Reihe neuer Initiativen


Credit: Ars Electronica / Robert Bauernhansl

Am 18. September 1979 begann in Linz das allererste, kleine, aber wegweisende „Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft“. Heute, vier Jahrzehnte später, ist Ars Electronica eine der weltweit größten und wichtigsten Plattformen für Medienkunst, Zukunftsideen und Innovation – und gefragt wie noch nie.

„Die digitale Revolution hat keinen Stein auf dem anderen gelassen und unser Leben von Grund auf verändert“, so Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter der Ars Electronica. „Und obwohl es eigenartig ist, das nach 40 Jahren zu sagen, aber das war erst der Anfang.“ Denn die Digitalisierung hat zwar alle unsere Lebensbereiche erfasst, bislang aber vor allem bestehende Abläufe unserer industrialisierten Welt vereinfacht und beschleunigt.

„Was jetzt kommt, ist etwas völlig anderes“, blickt Gerfried Stocker voraus. „Wir stehen an der Schwelle zu einer Zeit, in der das Denken und Entscheiden digitalisiert wird. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird das Digitale erstmals wirklich selbstständig. Für Doris Lang-Mayerhoferr, Beiratsvorsitzende der Ars Electronica und Linzer Kulturstadträtin bahnen sich da revolutionäre Entwicklungen an, die uns alle in den nächsten Jahren massiv beschäftigen werden. „Was das für jede/n Einzelne/n von uns bedeutet, steht im Mittelpunkt aller Aktivitäten von Ars Electronica, die deshalb so aktuell und wichtig ist wie nie zuvor.“

Neue Dauerausstellung, neue Wechselausstellungen, neue Labs – das Ars Electronica Center Linz erfindet sich neu

Vier Millionen Euro werden dieses Jahr in das Museum der Zukunft investiert – 2,5 Millionen Euro davon kommen von der Stadt Linz, 1,5 Millionen Euro steuert Ars Electronica selbst bei. „In der ersten Jahreshälfte bauen wir eine komplett neue Dauerausstellung, die den Fokus auf Künstliche Intelligenz legt“, so Gerfried Stocker. „Angesichts der Tragweite und der Komplexität dieser Technologie ist es der Bildungsauftrag von Ars Electronica, jeder und jedem eine grundsätzliche Vorstellung davon zu vermitteln, was KI ist und wie sie funktioniert.“ Für Linz ist dies besonders wichtig, denn: „Gerade weil Linz und Oberösterreich mit der JKU, der Fachhochschule Hagenberg und den vielen High-Tech-Unternehmen in Punkto Zukunftstechnologien sehr gut aufgestellt sind, werden KI-Anwendungen hier sehr bald und massiv aufschlagen“, sagt Gerfried Stocker. Die gesamte Schau wird als Gegenüberstellung von menschlicher und maschineller Intelligenz konzipiert sein. Interaktive Stationen fragen danach, wie wir Menschen und wie Maschinen lernen, denken und entscheiden und nicht zuletzt, wie wir Menschen fühlen? Eingebettet werden diese Szenarien in eine „GeoSphäre“, die sich dem Anthropozän widmet. Im Mittelpunkt steht dabei die Welt, die wir Menschen verändern und gestalten.

Parallel zur Dauerausstellung im dritten Untergeschoß wird auch das erste Untergeschoß des Ars Electronica Center neu gestaltet. Hier und damit genau an der Schnittstelle zwischen der neuen Dauerausstellung, dem darüber befindlichen Deep Space und den Wechselausstellungen, werden komplett neu konzipierte Labs eingerichtet. „Diese Labs werden nicht länger nur ein Raum, sondern eine neue Form der Vermittlung sein, die unseren BesucherInnen tolle Möglichkeiten bieten werden, sich Themen aktiv und gemeinsam zu erarbeiten und dabei ihre eigenen Ideen und Vorstellungen einzubringen“, so Gerfried Stocker.

Neue Kategorien – der Prix Ars Electronica widmet sich künftig der Verbindung von KI und Life Art und fahndet nach jugendlichem Revolutionsgeist
Seit 1987 wird der Prix Ars Electronica weltweit ausgeschrieben, er gilt als der traditionsreichste und prestigeträchtigste Preis im Bereich der Medienkunst. 2019 erfährt der Wettbewerb grundlegende Neuerungen.

Mit der neuen Kategorie „AI & Life Art“ werden ab sofort Projekte und Kunstwerke gesucht, die einerseits um Maschinelles Lernen, Deep Learning oder andere Forschungsfelder und Anwendungen von Künstlicher Intelligenz kreisen sowie andererseits Projekte, die Fragen und Methoden der Bio- und Gentechnologie bzw. der synthetischen Biologie aufgreifen. „Die Verbindung von KI-Systemen und Biotechnologie wird in den nächsten Jahren bahnbrechende Resultate zeitigen, die sich massiv auf uns Menschen und unser Menschenbild auswirken werden“, ist Gerfried Stocker überzeugt. „Es ist deshalb absolut notwendig, die kulturelle und gesellschaftliche Relevanz sowie die ethische und politische Dimensionen dieser technologisch-wissenschaftlichen Entwicklungen zu reflektieren und möglichst breit zu diskutieren.“

Im Bereich „u19 – CREATE YOUR WORLD“ wird der Prix Ars Electronica ab sofort in zwei Kategorien ausgeschrieben: eine für „Young Creatives“ unter 14 und eine für „Young Professionals“ zwischen 14 und 19. Während die Jüngeren zum spielerischen und kreativen Tüfteln an der Zukunft ermutigt werden sollen, sind bei den „Young Professionals“ alternative Zukunftsideen und -konzepte gefragt, die sich deutlich abheben von den Strategien der aktuellen Generation von EntscheidungsträgerInnen. „Wir suchen junge, kreative Geister, die sich am System reiben, dagegen aufbegehren und andere, nachhaltigere Strategien für unsere Zukunft vorschlagen“, fasst Gerfried Stocker zusammen.

Neues europäisches Festival für AI & Music

Erstmals wird Ars Electronica dieses Jahr ein eigenes europäisches Festival für AI und Musics veranstalten, dessen Programm Konzerte für ein breites Publikum ebenso wie diskursive Formate umfassen wird. An der Programmentwicklung werden maßgeblich Markus Poschner (Chefdirigent des Bruckner Orchester), Dennis Russell Davies (Chefdirigent der Philharmonie Brünn) und Volkmar Klien (Institutsdirektor für Komposition, Dirigieren und Computermusik an der Anton Bruckner Privatuniversität) mitwirken. Als Partner ist zudem das Linzer Brucknerhaus mit an Bord. Thematisch wird sich das Festival der Gegenüberstellung von menschlicher und maschineller Kreativität widmen. Die allererste Ausgabe des neuen Festivals wird zeitgleich mit der Ars Electronica von 5. bis 9. September 2019 stattfinden, teils in Räumlichkeiten des Stiftes St. Florian, teils in der POSTCITY Linz.

Neue „Ars Electronica Initiatives“ in Japan, Australien und den USA

Japan zählt zu den technologieaffinsten Ländern der Welt und ist ein Hotspot der internationalen Medienkunstszene. Seit Jahren ist Ars Electronica in Japan, konkret in „Tokyo Midtown“ und dem „Knowledge Capital Osaka“, ganzjährig präsent. Gemeinsam mit Hakuhodo, NTT, NHK, Miraikan, Toyota, Honda, Osaka University und vielen weiteren gestaltet „Ars Electronica Japan“ hier regelmäßig Ausstellungen, Konferenzen und Workshops, lädt zu Future Innovator Summits, beteiligt sich an Think Tanks und betreibt Auftragsforschung. Neben einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Aktivitäten ist „Ars Electronica Japan“ aktuell intensiv in Japans Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2020 involviert und betreibt gemeinsam mit NTT das Forschungsprojekt „Swarm Arena“, das dem Publikum ein völlig neues Erleben von Sportevents eröffnen soll. Parallel dazu läuft ein ebenfalls sehr ambitioniertes Forschungsprojekt mit NHK, dessen Fokus auf der nächsten Generation von ultra-hochauflösenden TV-Geräten liegt. Ende Februar lädt „Ars Electronica Japan“ darüber hinaus zu einer Festivalausgabe der „School of the Future“ nach „Tokyo Midtown“: Die seit 2017 laufende Präsentations- und Diskussionsreihe widmet sich Zukunftsthemen im Schnittfeld von Kunst, Technologie und Gesellschaft und wird nun erstmals in Form eines viertägigen Festivals veranstaltet.

Neues Residency-Programm für KünstlerInnen – das Europan ARTifical Intelligence Lab

Gemeinsam mit zwölf angesehenen Kunst- und Kultureinrichtungen initiiert Ars Electronica das Europan ARTifical Intelligence Lab. Die europaweite, für drei Jahre anberaumte Initiative wird vom Creative Europe Programm der Europäischen Union ko-finanziert und eröffnet KünstlerInnen die Chance auf Residencies bei wissenschaftlichen Institutionen, darunter das Muntref Centro de Arte y Ciencia, das Laboratorio de Neurociencia de la Universidad Torquato Ditella in Buenos Aires oder die University of Edinburgh. Im Zuge eines weltweiten Wettbewerbs, der noch bis 17. Februar läuft, wird ermittelt, wer die erste Residency antreten kann. Die Ausschreibung richtet sich an KünstlerInnen, die an der Schnittstelle von Neurowissenschaften und Künstlicher Intelligenz neue künstlerische Ansätze entwickeln möchten. Die Ergebnisse der Residency werden dann beim Ars Electronica Festival in Linz sowie europaweit bei zwölf Netzwerkpartnern präsentiert.

Neue Space-Programme – europaweite Aktivitäten rund um das Thema Weltraum und Erdbeobachtung

Gemeinsam mit zwölf weiteren Partnern arbeitet Ars Electronica in enger Abstimmung mit der ESA und der renommierten Universität Leiden ab sofort am europaweiten Projekt „spaceEU“ mit. Bis 2020 soll eine Ausstellung zum Thema Weltraum konzipiert und gestaltet werden, die dann in zehn europäischen Ländern auf Tour geht. Ebenfalls entwickelt wird ein umfangreiches Workshop-Programm, das die Schau begleitet. Finanziert wird „spaceEU“ vom EU-Programm für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ und soll Jugendliche für Karrieren in der Raumfahrt und in relevanten Forschungsgebieten begeistern. Die Beteiligung an „spaceEU“ ist die jüngste Schiene der mittlerweile recht umfassenden Ars Electronica-Aktivitäten zum Thema Weltraum und Raumfahrt: Seit Juni 2016 ist das Linzer Ars Electronica Center das offizielle European Space Education Resource Office (kurz ESERO) Österreichs, erst im vergangenen Jahr gestaltete Ars Electronica Solutions das neue ESA-BesucherInnenzentrum in Frascati bei Rom und ist aktuell mit der Entwicklung eines KI-Systems beauftragt, das künftig die Satellitenbilder der ESA auswerten soll.

Neue Research Institutes – Künstlerische Forschung zu konkreten Zukunftsfragen

Unbürokratisch, fokussiert und direkt werden die neuen Research Institutes arbeiten, die Ars Electronica ab sofort gemeinsam mit renommierten WissenschaftlerInnen aufbaut und damit eine Brücke schlägt zwischen künstlerischer Grundlagenforschung und konkreten Anwendungen, etwa in der Wirtschaft. Das erste Research Institute betreibt Ars Electronica gemeinsam mit Werner Jauk, Musiker, Klangkünstler und außerordentlicher Universitätsprofessor am Institut für Musikwissenschaft der Universität Graz zum Thema „Auditory Cultures“. Die (Zwischen-)Ergebnisse dieser Research Institutes werden künftig im Rahmen jedes Ars Electronica Festival präsentiert und zur Diskussion gestellt.


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