Der mit 6.000 Euro dotierte Hauptpreis geht an den kolumbianischen Künstler Paolo Almario für seine Installation Marmelade.
Mit dem Award of Distinction und 4.000 Euro wird die iranische Künstlerin Sara Azadkhani für ihr fotografisches Projekt Canvas ausgezeichnet.
Schnittstelle Kunst, Aktivismus und Menschenrechte
Bereits zum fünften Mal setzen Ars Electronica und das österreichische Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten mit der Initiative State of the ART(ist) ein Zeichen der Solidarität mit Kunstschaffenden, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen durch Krieg, politische Repression, Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Umweltkrisen oder andere Formen struktureller Gewalt bedroht sind. Ausgezeichnet werden Projekte, die gesellschaftliche Realitäten sichtbar machen und neue Räume für Dialog eröffnen.
Jury: Irene Agrivina (ID), Christl Baur (DE), Simon Mraz (AT), Marita Muukkonen (FI) & Ivor Stodolsky (FR/US) und Tau Tavengwa (ZW/GB).
Marmelade von Paolo Almario aus Kolumbien

Mit Marmelade entwickelt Paolo Almario eine ebenso persönliche wie politische Installation über Macht, Korruption und Erinnerung. Im Zentrum stehen Porträts von Personen aus dem kolumbianischen Justiz- und Staatsapparat. Sie bestehen aus rund 4.800 Marmeladenetiketten, die von Hand zugeschnitten, auf Plexiglas befestigt und in präzise gefertigte Aussparungen eingesetzt werden. So entstehen Fotomosaike, die aus der Distanz als Porträts erscheinen, sich aus der Nähe aber in Tausende einzelne Etiketten auflösen.
In der Ausstellung nehmen sieben robotische Maschinen die Mosaikelemente nach und nach auseinander. Die Fragmente fallen auf einen gedeckten Tisch und auf den Boden, wo sie sich mit Brotkrümeln und Marmeladeresten des Publikums vermischen, die eingeladen sind, Brot mit kolumbianischer Marmelade zu verkosten. Der Titel verweist auf den in Kolumbien gebräuchlichen Begriff mermelada, der als Metapher für die klientelistische Verteilung politischer Macht verwendet wird. Die fortschreitende Demontage der Porträts wird zu einem Sinnbild der Umverteilung: Was zuvor politische Macht symbolisierte, geht durch den Akt des Essens symbolisch in den Besitz der Öffentlichkeit über.
Ausgangspunkt der Arbeit ist die jahrzehntelange politische Verfolgung der Familie des Künstlers. Die porträtierten Personen stehen mit dem gegen seinen Vater geführten Verfahren in Zusammenhang. Marmelade verbindet diesen persönlichen Hintergrund mit einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über die Grenzen staatlicher Institutionen und entwickelt daraus eine partizipative Poetik der Umverteilung: eine künstlerische Form des Widerstands, die dort ansetzt, wo institutionelle Strukturen versagen.
Präsentation am Ars Electronica Festival
Beim Ars Electronica Festival 2026 von 9. bis 13. September werden beide ausgezeichneten Projekte im Rahmen der Themenausstellung NEGOTIATING HUMANITY präsentiert. Marmelade und Canvas sind Teil des FESTIVAL WALK, der ausgehend vom OK Platz dazu einlädt, verschiedene Ausstellungsorte unter einer gemeinsamen Fragestellung zu erkunden. Der Künstler Paolo Almario und die Künstlerin Sara Azadkhani werden außerdem selbst beim Festival anwesend sein und ihre Arbeiten persönlich vorstellen.
Bildnachweis: Marmelade von Paolo Almario