Heimat in der Postmoderne

Kampfbegriff oder kulturelle Ressource?

Heimat ist ein schillernder und problematischer Begriff, wenn er als politische Kategorie und nicht als persönliche Angelegenheit benutzt wird.

Wer ihn aufruft, begibt sich in schwieriges Diskurswasser. Ist damit eher eine kulturelle Ressource gemeint, die für die Menschen verschiedene Optionen der Lebensführung beinhaltet oder ist es ein Kampfbegriff im Feld der ideologischen Auseinandersetzung um die politische Hegemonie im Lande?

Heimat-Kongress

Diese Frage diskutieren im Panel 2 »Heimat in der Postmoderne: Kampfbegriff oder kulturelle Ressource« der Kulturtheoretiker Dirk Baecker, der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft Tobias J. Knoblich, die Soziologin Cornelia Koppetsch, die Heimatexpertin Beate Mitzscherlich und die Kulturanthropologin Regina Römhild unter der Leitung des kulturpolitischen reporters Peter Grabowski.

Programm

Donnerstag, 27. Juni 2019
14.00 bis 15.30 Uhr

Panel 2
Vortrag: Heimat in der Postmoderne: Kampfbegriff oder kulturelle Ressource?
Dirk Baecker, Professor für Kulturtheorie und Management an der Universität Witten/Herdecke

Podiumsdiskussion
Dirk Baecker, Professor für Kulturtheorie und Management an der Universität Witten/Herdecke
Tobias J. Knoblich, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V., Erfurt
Cornelia Koppetsch, Professorin für Soziologie an der Technischen Universität Darmstadt
Beate Mitzscherlich, Professorin für Pflegeforschung an der Westsächsischen Hochschule Zwickau
Regina Römhild, Professorin am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin

Moderation
Peter Grabowski, der kulturpolitische reporter, Wuppertal

Problemaufriss
Welche Bedeutung hat der Begriff Heimat für die Menschen in der Post- oder Spätmoderne? Hat sich der Heimatbegriff gegenüber den Herkunftsorten verselbständigt, gewinnt ein flüssiger und mobilerer Heimatbegriff an Attraktivität, der Bindungen nicht als gegeben, sondern als Material der persönlichen Gestaltung begreift, »gleichgültig, wo ich mich befinde«, wie Dirk Baecker es vor einigen Jahren vermutete? Ist Heimat also eher eine weiche kulturelle Ressource, die sich den Kosmopoliten als weitere Option für die Kuratierung des eigenen Lebensstils anbietet, wie Andreas Reckwitz vermutet. Oder Ist es mittlerweile eher ein harter Kampfbegriff geworden, den die Kommunitaristen (oder die Populisten unter ihnen) ins Feld führen, um den liberalen Milieus, die auf kulturelle Öffnung und Grenzüberschreitung abzielen, ein Modell entgegensetzen, das »eine Schließung der Kultur und eine Reetablierung kollektiver Identitäten« beabsichtigt? (Reckwitz 2017: 371/400).

Kann es sein, dass die Renaissance des Begriffs Heimat auch dadurch erklärlich ist, dass damit »dem spätmodernen Subjekt (...) eine kulturelle und identifikatorische Leerstelle« gefüllt wird? Und ist die Heftigkeit und Schwierigkeit der Debatte auch darin zu sehen, dass die ›Kosmopoliten‹ darin lediglich eine zusätzliche Ressource »als weitere interessante und subjektiv befriedigende Option der Bereicherung« (ebd.: 407) sehen, während die ›Kommunitaristen‹ damit einen essenziellen Sinn und existentiellen Halt verbinden, den sie aufgrund konkreter Verlusterfahrungen suchen? Ist Heimat ein Kampfbegriff, den die Kulturessenzialisten bewusst gegen die Hyperkultur der Spätmoderne ins Feld führen? Welche Möglichkeit gibt es, Heimat zum Thema eines kulturpolitischen Diskurses zu machen, ohne zwischen die Fronten eines Kulturkampfes zu geraten? Können Kulturarbeit und Kulturpolitik dabei eine Rolle spielen?

Literatur

Dirk Baecker (2013): Neue Heimat, in: Die Deutsche Bühne, Heft 4, 2013

Andreas Reckwitz (2017): Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne, Berlin: Suhrkamp


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