Gedanken zur Kunstfälschung

In den ersten Juniwochen des Jahres hat das Bundeskriminalamt (BKA) in einer bundesweiten Razzia zwei führende Mitglieder eines Kunstfälscherringes festgenommen, der nach Angaben des BKA bereits seit Jahren Hunderte von gefälschten Kunstwerken über Kunsthandel, Auktionen oder Privatverkäufe in den Sammler- oder Händermarkt gebracht hatte. Nach dem sog. Beltracchi - Skandal ein weiterer Fall in einem offenbar florierenden Markt. Sogar mindestens ein renommiertes Museum nahm ein ganzes Fälschungskonvolut in eine eigene Ausstellung auf, Gutachten, wenn auch wenig aussagekräftig, gab es zu allen Kunstwerken (vorwiegend der russischen Avantgarde) meist mehrfach. (Links: Spiegel online / Handelsblatt)

Dem Galeristen stellen sich in einem solchen Zusammenhang eine Vielzahl von Fragen: Wie kommt es dazu? Welchen Kunstbegriff hängen die Beteiligten (Sammler oder Händler) an?

Ich denke, der Schlüssel zur Antwort liegt in der Einstellung zu dem Begriff Kunst. Für den (lebenden) Künstler und den Galeristen, der aus der Arbeit mit Künstlern seine Motivation bezieht, kann Kunst nur in der forschenden Arbeit an der Front das Mediums und/oder der gesellschaftlichen Diskussion entstehen. Es mag entweder forschendes Tasten an den Grenzen des (künstlerischen) Faches sein oder erfahrungsreiches Befragen unserer Conditio humana sein. Dieses Experiment leisten Kunstproduzent und Kunstvermittler unter Einsatz ihrer Lebensenergie. Der Versuch zur Erweiterung unserer sinnlichen und intellektuellen Möglichkeiten findet in diesem Zusammanhang in der Kommunikation mit dem Sammler und Kenner statt, ein Prozess, der gegenseitiger Achtung, Wertschätzung und gemeinsamen Einsatzes bedarf. In diesem Sinn heisst Kunst kaufen ebenso auch Kultur gestalten. Eine Fälschung ist in diesem Rahmen ebenso unmöglich wie sinnlos. Anders dort, wo Kunst als vorwiegend als Mittel der gewinnbringenden Investition erworben wird, denn in diesen Bereichen ist der Preis das Qualitätsmerkmal und kann ebenso benutzt werden, um Qualität vorzuspiegeln. Der Begriff der Kunst-Fälschung sollte uns deshalb zunächst auf einen fragwürdigen Kunstbegriff aufmerksam machen. Das Hauptinteresse des wirklichen Kunstkenners liegt in der Teilnahme am aktuell laufenden Kunstprozess, den er mit seiner Teilnahme als Kenner und Sammler wesentlich ermöglicht. (Wolf Erdel)

Über Ihre Meinung zu diesem Thema würde ich mich freuen und werde sie - Ihre Zustimmung vorausgesetzt - gerne an dieser Stelle veröffentlichen. Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unser Zirkushund macht Karriere

Juan Fernando de LaiglesiaDieser wunderbare "Zirkushund" oder auf spanisch 'perito performer' entstand bei der Eröffnung der 1. Ausstellung mit Juan Fernando de Laiglesia in der Galerie im Jahr 2006 während einer Performance. Wir haben uns sofort in den kleinen Kerl verliebt und ihn bei uns behalten.

Nun scheint er in fast schon reiferen Jahren doch noch zu einer Berühmtheit zu werden. Er schmückt Juan Fernando de Laiglesias Beitrag "arte / art-icular" und steht prototypisch für Juan Fernandos Kunstverständnis.

Denkt Juan Fernando de Laiglesia über Kunst nach, fallen ihm folgende Aspekte dazu ein:

Vergnügen, Schöpfung, Freiheit, Ungehorsam, Handwerk, Mechanik, Objekt, Handel, Realität, Repräsentation, Symbol, Utopie, Publikum, Fest, Glamour, Humor.

Wie alles miteinander verknüpft ist und welche Spielarten sich daraus ergeben können ist auf höchst vergnügliche Weise in arte:diccionario ilustrado nachzulesen.

Bühnenhafte Bedingungen zeitgenössischer Kunst

Volker Pfüller: TheaterDie bühnenhaften und theatralen Bedingungen zeitgenössischer Kunst ist ein topaktuelles Thema. Wir zeigten innerhalb der Ausstellungsreiche Theatrale 2010 verschiedene Aspekte des Zusammenspiels zwischen Kunst und Bühne sowie mit Ornella Renis Arbeiten theatrale Darstellungsformen der abendländischen Kulturgeschichte.

Das Kunsthaus Dresden bereichert diese Diskussion mit dem Projekt Various Stages - Bedingte Bühnen. In der Ausstellung von 2.08. - 14.10.2012 setzen sich internationale Künstler mit dem Konzept "Bühne" auseinander. Das Projekt nimmt die performativen Bedingungen zeitgenössischer künstlerischer Produktion in den Fokus und schließt an Praktiken des Aufführens, Inszenierens, Rezipierens und Handelns im Ausstellungsraum an. Ausstellung, Salon und Festival greifen inhaltlich und z.T. auch räumlich ineinander, erzeugen "various stages": Bühne und Stadium.

Volker Pfüller

Linoldruck - Vorzugsabdruck

Linoldrucke aus der Hand von Volker Pfüller, die über 35 Jahre seiner Arbeit als Bühnen- und Kostümbildner reflektieren.


Volker Pfüller: Gerhart Hauptmann "Die Ratten"
Format: 37 cm x 49,8 cm, Auflage 10, signiert, 280 Euro

"Erstaunlich, wie Volker Pfüller aus der ganzen Fülle von Gezeichnetem und Gemaltem hier zu einer sehr starken graphischen Form in einem relativ großem Format gefunden hat." (Armin Abmeier, Herausgeber der Tollen Hefte)

Die doppelseitigen Linolarbeiten sind in ihrer sehr kleinen Auflage einzigartig, da sie zwar so gedruckt werden, nachher im Buch aber nicht mehr als Doppelseite zu sehen sein werden. Mehr dieser kleinen Raritäten.

Die Drucke werden im Dezember 2010 unter dem Titel Theater im leipziger Verlag Lubok erscheinen. Das Lubok-Spezial-Heft wird in einer Auflage von 500 Stück gedruckt und umfasst 56 Abbildungen, davon 24 farbige Originallinolschnitte, gedruckt von der verlorenen Form.

Info: Zum Urheberrecht

„Erbärmlich ein Eigentumsbegriff, der sich nur auf Sachgüter, Produktionsmittel und Wertpapiere bezieht und die Leistungen des menschlichen Geistes ausklammert! Erbärmlich eine Gesellschaft, die sich einen solchen Eigentumsbegriff leisten wollte!“ (Altbundespräsident, Roman Herzog, zitiert aus der Rede von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger MdB vom 14.Juni 2010), Der gesamte Text der Rede findet sich auf der Carta - Website hier und ist ebenso interessant wie informativ.(w.e. 16.5.2010)

Die Zettelkästen von Volker Pfüller

Zettelkasten in Volker Pfüllers Atelier

"Fingerübungen" nennt Volker Pfüller sie... > Weiterlesen

Neues Ars Electronica Center in Linz eröffnet

Ars Electronica Center Linz (Quelle: Ars Electronica MediaService)

12.500 BesucherInnen stürmten das neue Ars Electronica Center während der Open Days von 2. bis 4. Januar: „Der Andrang war einfach unglaublich“, sagt Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter des Ars Electronica Center. Bis zu einer Stunde Wartezeit nahm so manch ein/e BesucherIn in Kauf, um das neue Ars Electronica Center erkunden zu können - zu groß war der Andrang für das auf 6500 Quadratmeter erweitere Haus (Quelle: Ars Electronica Center).

Der seit Jahrzehnten anhaltende Erfolg des Ars Electronika Center und des Festivals (siehe auch unsere Berichte der letzten Jahre in www.erdel-verlag.de) macht deutlich, was Kulturvermittlung vermag, wo sie sich fernab von Starkult und Promisucht mit existenziellen Fragen des Menschen in seinem räumlichen und zeitlichen Umfeld beschäftigt. Fern von jedem Modernismus wird hier auf hohem Niveau kulturelle und künstlerische Zukunft diskutiert - auf eine Weise, die den Recipienten mitnimmt, statt ihn in elitärer Manier zu distanzieren.

Das neue Ars Electronica Center ist dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr, an Donnerstagen von 9 bis 21 Uhr sowie an Samstagen und Sonntagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Montags ist das Ars Electronica Center geschlossen. Weitere Infos auf www.aec.at <http://www.aec.at>.