European Digital Art and Science Network

Performance „Whose Scalpel“ auf dem Ars Electronica Festival 2017

Die taiwanesische Medienkünstlerin Yen Tzu Chang präsentiert das Ergebnis ihrer Künstlerresidenz am Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS am 7. 9. und 11. September in Linz.

Artist Yen Tzu Chang„Mit der MeVisLab-Softwareplattform konnte ich meine eigenen medizinischen Bilddaten bearbeiten, Filme und ein 3D-Modell für meine Performance erzeugen“, erläutert die Künstlerin. Zudem entwickelte Chang als Bestandteil ihrer Residenz gemeinsam mit den Bremer Fachleuten einen Workshop für Schüler, der digitale Medienkunst und Wissenschaft auf innovative Weise verknüpft – ein neuer Ansatz in der Wissenschaftskommunikation.

Das ungewöhnliche Kunstprojekt: „Whose Scalpel“, so der Name der Performance, ist ein Ergebnis von Changs Residenz, es thematisiert die Zukunft der Beziehung von Mensch und Maschine in der Chirurgie. Die Installation basiert auf einer per 3D-Drucker hergestellten Nachbildung des Herzens der Künstlerin, bestückt mit Lichtquellen und elektronischen Klanggebern. Während der Performance agiert Yen Tzu Chang als „Chirurgin“, die mit Hilfe von Kabeln einen Bypass legt – und sich dabei von einer Künstlichen Intelligenz anleiten lässt. „Unter anderem soll die Installation die Frage aufwerfen, was der Mensch an Fähigkeiten verliert, wenn der Computer das Kommando übernimmt“, erläutert Chang.

European Digital Art and Science Network

Yen Tzu Chang ist die Gewinnerin der Künstlerresidenz, die gemeinsam von Fraunhofer MEVIS und Ars Electronica im Rahmen des „European Digital Art and Science Network“ ausgeschrieben wurde. Diese von Ars Electronica gestartete internationale Initiative ermöglicht Aufenthalte von Künstlern an renommierten Forschungseinrichtungen, um Wissenschaft mit den Ansätzen der digitalen Kunst zu verknüpfen. Changs Ergebnis – eine Performance namens „Whose Scalpel“ – wird nun auf dem Ars Electronica Festival präsentiert, das vom 7.-11. September in Linz stattfindet.

„STEAM Imaging“, so heißt das Pilotprojekt für ein Residenzprogramm von Fraunhofer MEVIS – wobei das Akronym STEAM für die Verknüpfung von Wissenschaft, Technologie und Mathematik mit der Welt der Kunst steht. Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts in Bremen lernte Yen Tzu Chang, die sich auf experimentelle Sound-Performances und die Konstruktion neuartiger elektronischer Instrumente spezialisiert hat, den Umgang mit einer Softwareplattform für die Bearbeitung medizinischer Bilddaten (MeVisLab). Mit diesem Werkzeug entwickeln die Forscher normalerweise Assistenzsysteme für Mediziner zur Diagnose, Therapie und Erfolgskontrolle von ernsthaften Erkrankungen wie beispielsweise Krebs. Unter anderem arbeiten die Forscher an Algorithmen, die die Analyse von MRT- und CT-Aufnahmen beschleunigen und präziser machen, aber auch Informationen aus den Bildern herauskitzeln, die ansonsten verborgen blieben.

Das Programm "European Digital Art and Science" startete 2015. Das Ziel besteht darin, digitale Kunst mit dem Mikro- und Makrokosmos der Wissenschaft zu verknüpfen. Zu den Mitgliedern des Netzwerks gehören renommierte Forschungseinrichtungen wie ESA, CERN, ESO und das Fraunhofer MEVIS. Diese Einrichtungen bieten in Kooperation mit dem Ars Electronica Futurelab "artist-in-residency"-Plätze an. In Form von Workshops, Ausstellungen und Konferenzen bringen die sieben Projektpartner künstlerischen Position an die Öffentlichkeit. Die ersten Projekte wurden zusammen mit Essays und zahlreichen Abbildungen veröffentlicht.

Stocker, Gerfried; Hirsch, Andreas J. (Hg.). The Practice of Art and Science. 2017. ISBN 978-3-7757-4341-9.

Ars Electronica Festival

Präsentiert wird die Performance auf dem „Ars Electronica Festival“, einer der weltweit wichtigsten Veranstaltungen für Medienkunst. Im Rahmen des Festivals findet auch der internationale Kongress „The Practice of Art and Science“ statt, auf der sich führende Forschungseinrichtungen und Künstler über ihre Erfahrungen mit der Integration künstlerischer Projekte austauschen. Hier stellt Bianka Hofmann, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Fraunhofer MEVIS, die Ziele und Resultate von STEAM Imaging vor. Gemeinsam mit der Workshop-Leiterin und MEVIS-Forscherin Sabrina Haase und der Künstlerin Yen Tzu Chang haben Festivalbesucher zudem die Möglichkeit, Elemente aus dem Schülerworkshop selbst zu erfahren: Während einer Live-Übertragung in das MRT-Labor nach Bremen können sie mit den Experten kommunizieren und dabei sein, wenn neue Daten aufgenommen werden. Anschließend können die Teilnehmer mit einer abgespeckten „MeVisLab“-Version am Computer mit medizinischen Bildern aus dem menschlichen Körper experimentieren.